Brauchen ältere Menschen wirklich weniger Schlaf?

Dr. Claus Steppert, Chefarzt der Klinik für Pneumologie, Schlaf- und Beatmungsmedizin der Klinikum Bayreuth GmbH, sagt klar „Nein“.

Gesunde, ältere Menschen schlafen sechs bis acht Stunden und damit lediglich etwa 40 Minuten weniger als junge Erwachsene. Allerdings bereiten geänderte Verhaltensweisen, Begleiterkrankungen oder Medikamente älteren Menschen häufiger Schlafprobleme. Viele Senioren gehen sehr früh, teilweise bereits vor 20 Uhr zu Bett. Wenn sie dann nach acht Stunden aufwachen, ist es erst vier Uhr morgens. Häufiger vorkommende Durchschlafstörungen, wie nächtliches Wasserlassen, Magenbeschwerden oder Gelenkschmerzen kompensieren ältere Menschen oft durch Nachmittagsschlaf. Hierdurch sinkt dann der Schlafbedarf in der Nacht.

Dr. Steppert empfiehlt gerade älteren Menschen, auf ihre Schlafhygiene zu achten. Dazu gehören:

  • eine ruhige, dunkle Schlafumgebung (nicht zu warm oder zu kalt),
  • regelmäßige Bettgeh- und Aufstehzeiten,
  • keine schlafinkompatiblen Ablenkungen wie Fernseher oder Musikanlage im Schlafzimmer,
  • ein bequemen Bett mit guter Matratze,
  • keine schweren Mahlzeiten vor dem Schlafen,
  • kein Alkohol, Nikotin oder Koffein am Abend.

Manchmal rät Dr. Steppert auch zu Ritualen, um den Tag einfach ausklingen zu lassen.

Als Schlafmediziner kennt Dr. Steppert natürlich die Begleiterkrankungen, die gerade im Alter einen gesunden Schlaf nahezu unmöglich machen. „Schlaf ist ein aktiver Prozess des Gehirns“, sagt er und, „Hirnerkrankungen, wie schwere Arteriosklerose, ein Schlaganfall oder Morbus Parkinson führen häufig zu Schlafstörungen als Folge.“ Bei Demenzkranken ist der Tag-Nacht-Rhythmus sehr häufig vollkommen außer Kontrolle. Sehr viel Licht tagsüber und Dunkelheit am Abend hilft den Betroffenen. „Denn das Tageslicht ist der Hauptzeitgeber unserer inneren Uhr.“

Darüber hinaus gibt es weitere Erkrankungen, wie die Schlafapnoe oder das Syndrom der unruhigen Beine (Restless Legs), die gerade Älteren den Schlaf rauben können. Im Schlaflabor des Bayreuther Klinikums könne die Ursachen von Schlafstörung erkannt und anschließend entsprechend gut behandelt werden.

Vor der Einnahme von Schlafmitteln sollten Betroffenen zunächst mit ihrem Arzt sprechen. Denn Schlafmitteln sind im höheren Lebensalter problematische Medikamente. Sie führen häufig durch einen Überhang zu Tagesmüdigkeit und damit zu einer Desynchronisierung des Tag-Nacht-Rhythmus. Schlafmittel können daneben auch zu einer Verschlechterung schlafbezogener Atemstörungen führen und somit in einen Teufelskreis münden.

 

Telefonaktion

Wenn Sie weiter Fragen zu Schlafstörungen im Alter haben, beantwortet Ihnen diese Dr. Claus Steppert am Montag, 22. Mai, von 17 bis 18 Uhr, bei einer Telefonaktion unter der Rufnummer: 0921 4900.