Die versteckte Krankheit – Diabetes

Ulrike Schubert hat Diabetes. Typ 2. Seit zehn Jahren lebt sie damit. Und sagt: „Mir geht es gut. Eigentlich besser als zuvor.“

Was Ulrike Schubert erlebt hat, ist typisch. Bei einer Routineuntersuchung stellte ihr Hausarzt erhöhte Blutzuckerwerte fest. Nichts hatte für sie vorher darauf hingedeutet, dass sie Diabetes haben könnte. Ulrike Schubert wurde aktiv. Sie sucht nach einem Diabetologen – und fand ihn in Privatdozent Dr. Steffen Mühldorfer, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Stoffwechselkrankheiten der Klinikum Bayreuth GmbH. Mühldorfer und das Team der Diabetes-Beratung an dem Krankenhaus der maximalen Versorgungsstufe haben sie „eingestellt“. Ulrike Schubert muss nicht Insulin spritzen. Sie nimmt Tabletten, die das Expertenteam speziell für ihr Krankheitsbild ausgewählt hat.

Das reicht aus, weil sie ihre Krankheit angepackt hat. Den Ärzten alles zu überlassen, „das ist nichts für mich. Man muss sich auch selbst managen.“  Sie versagt sich nicht jeden Genuss, das Glas Weinschorle am Abend ist für sie ein Stück Lebensqualität. Aber sie weiß auch, wo sie Maß halten sollte. Beim Frühstück zum Beispiel. Zwei Scheiben Knäckebrot, eine mit Hähnchen, die andere mit Käse. Und eine Tasse Kaffee – ohne Zucker. Mit ihrer Ernährung trägt sie dazu bei, dass sich ihr Blutzuckerspiegel auf einem gesunden Niveau bewegt. Nebenbei hat Ulrike Schubert in den vergangenen zehn Jahren gut 20 Kilo abgenommen. „Ich fühle mich fitter als zuvor.“

So sportlich nimmt nicht jeder Patient die Diagnose, sagt Sandy Petermann, Diabetes-Beraterin an der Klinikum Bayreuth GmbH. Anfangs kommt meist ein heilsamer Schock. „Fast alle Patienten glauben zunächst, sie müssten auf jeden Genuss verzichten und sich Insulin spritzen. Das trifft nicht für jeden zu. Sie müssen nur wieder lernen, gesund zu essen,  Maß zu halten, aber auch zu genießen.“  In vielen Fällen ist dann eine Behandlung mit Tabletten ausreichend.

So gut man mit der chronischen Erkrankung leben kann, wenn Diabetes rechtzeitig erkannt wird – Chefarzt Mühldorfer warnt davor, die Gefahren zu unterschätzen.  Jahre, manchmal Jahrzehnte lang läuft die Bauchspeicheldrüse eines Patienten mit Diabetes Typ 2 auf Hochtouren. Insulin sorgt dafür, dass Glucose aus dem Blut in die Körperzellen gelangt – Glucose ist der Treibstoff für die Zellen. „Beim Typ2 ist dieser Mechanismus gestört“, sagt Mühldorfer. Patienten brauchen mehr Insulin, damit die Zellen versorgt werden. „Irgendwann streikt dann die Bauchspeicheldrüse.“  Und irgendwann treten die Folgeschäden auf: an Füßen, an Gefäßen, an Augen oder an den Nieren.

Soweit muss es nicht kommen, es gibt Alarmsignale. „Wer immer häufiger müde ist, starken Durst hat und häufig zur Toilette muss, sollte mit seinem Hausarzt über das Thema Diabetes sprechen“, sagt Mühldorfer. Zumal dann, wenn die Krankheit in der Familie schon mal aufgetreten ist. „Wenn Diabetes in dem genetischen Bauplan eines Menschen enthalten ist, ist es durch nichts aufzuhalten“, sagt Mühldorfer. „Aber den Zeitpunkt, wann die Erkrankungen ausbricht, kann man beeinflussen.“ Vor allem indem man auf sein Gewicht achtet und körperlich aktiv ist.

Vorsorgen sollten viele, aber nur wenige tun es wirklich. Experten gehen davon aus, dass es in Deutschland zwei Millionen Diabetiker gibt, die nichts von ihrer Erkrankung wissen. So war das auch bei Ulrike Schubert. Sie hat die Diagnose rechtzeitig bekommen. Und ihre Erkrankung angenommen. Deshalb geht es ihr heute gut. „Eigentlich besser als zuvor.“

Info: Im Internet kann man sein individuelles Diabetes-Risiko testen. Klicken Sie auf der Seite www. deutschlandmisst.de