(Un-)Gesund ohne Gluten

Glutenfreie Ernährung ist nicht für jeden Menschen wirklich gesund

Glutenfreie Ernährung ist in aller Munde und gilt als gesund. Doch ist dieser Verzicht wirklich gut für den Körper? Nein, sagt Privatdozent Dr. Steffen Mühldorfer, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie der Klinikum Bayreuth GmbH.

Gluten ist das Kleber-Eiweiß im Getreide – ein Vollkornbrot zum Beispiel ist ohne Gluten nicht zu haben. Was daran ungesund ist? „Gar nichts“, sagt PD Dr. Mühldorfer. Bei Testpersonen, die sich glutenfrei ernährten, traten koronare Herzerkrankungen sogar tendenziell häufiger auf. Dazu kommt: Wer sich glutenfrei ernährt, verzichtet auf wichtige Ballaststoffe und erhöht unter anderem sein Darmkrebsrisiko. Laut Mühldorfer gibt es deshalb für einen gesunden Menschen keinen Grund, auf Gluten zu verzichten.

Gluten nur meiden, wenn es medizinisch notwendig ist

Anders ist das bei Patienten, die an einer Zöliakie leiden. Bei ihnen löst das Kleber-Eiweiß eine Entzündung des Dünndarms aus. Das betrifft in Deutschland aber nur etwa ein Prozent der Bevölkerung. Glutenunverträglichkeiten können auch in schwächerer Form auftreten. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, nicht vollständig, aber teilweise auf Gluten zu verzichten. „Bei einer Zöliakie greifen selbst kleinste Mengen die Oberfläche des Darms an, sodass Nährstoffe, Vitamine und Spurenelemente nicht mehr richtig aufgenommen werden können“, sagt PD Dr. Mühldorfer. Eine gesicherte Diagnose und stetige Kontrollen sind daher wichtig. Darüber hinaus ist eine Beratung über Ernährungsalternativen unverzichtbar.